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Airbnb Open in Paris - eine persönliche Nachlese

18.12.2015 13:55
von Andreas Novotny
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Andreas Novotny und seine Frau
Andreas Novotny und seine Frau

Ich darf mich mit meinem ersten Blogbeitrag bei euch vorstellen. Als Quereinsteiger habe ich vor 3 Jahren mit Apartments in Wien begonnen. Davor habe ich mit unserem Hüttenprojekt Hüttentraum.at bereits Erfahrung aus dem Ferientourismus gehabt, aber in der City laufen viele Dinge anders.

Gemeinsam mit meiner Frau haben wir heuer das Airbnb Open in Paris besucht und wollen euch nun einen kurzen Überblick geben.

Vom Airbnb Open 2015 haben wir uns u.a. folgende Impulse, Infos und Erkenntnisse mitgenommen:

  1. Regulierung
    Das Thema „Regulierung und Zusammenarbeit mit den Behörden ist angekommen und eine der drei wichtigsten Herausforderungen. Airbnb steht im engen Dialog mit Stadtverwaltungen, Tourismusministerien und Steuerbehörden. „Sharing“ bzw. diese Form der Vermietung ist neu für die Gesellschaft und den Staat. Gesetze wurden geschrieben, als dies noch nicht existierte. Neue Gesetze werden z.T. von Lobbys gepusht, die ihre eigenen Interessen bedroht fühlen, oder resultieren aus Unverständnis und Ängsten aufgrund von Fehlinformationen. Die Bevölkerung sieht das „Zimmer“ oder das „Haus“ das man vermietet, nicht aber das „Heim“ das man bietet. Dabei ist dies die…
  2. Chance für die ältere Generation
    Der Wohnraum in den Innenstädten wird teurer. Geringverdiener und Pensionäre werden von ihren angestammten Plätzen in die Peripherie gedrängt, weil Kinder ausziehen und sie sich den Wohnraum nicht mehr leisten können. Hier setzt die aktuelle Werbeplakat-Kampagne zum Schaffen von Verständnis ein: Anstatt „billige Hotelalternativen für Touristen“ zu bewerben, wird der Aspekt für die Bevölkerung in den Vordergrund gestellt, die durch das Zusatzeinkommen in ihrem Heim weiterleben kann: Wohnviertel werden belebt und mit neuem Umsatz gefördert. Airbnb ist der „Partner der Städte“, nicht der „Wohnraum-Vernichter“. Die Wohnungsnot hat andere Ursachen.
  3. Der durchschnittliche Vermieter
    ist 47 Jahre alt, gehört also nicht zu den „digital natives“, sondern lässt sich die Bedienung seines Notebooks vielleicht durch die Kinder erklären und muss die emails von ihnen übersetzen lassen. Hingegen werden 65 % aller Buchungen mit der mobilen App durchgeführt. Beim Erstellen unseres Inserats müssen wir daher beide Plattformen berücksichtigen, Web und Mobil.
  4. Die Sauerstoffmaske erst zu sich ziehen
    Das ist wie beim Notfall im Flugzeug: Nur wer selber sicher ist, kann sich um Andere kümmern. Wenn man das Gefühl hat, dass man ausgepowert ist und eine gewissen Gastgeber-Müdigkeit eintritt: Pausieren, Freiraum schaffen, eine Auszeit nehmen, seinen Lebens-Kompass neu ausrichten. Dann kann man sich mit umso mehr Freude und Energie auf das nächste Gastgeber-Erlebnis freuen.
  5. Bessere Gäste
    Gäste (und Gastgeber?) müssen jetzt zwingend ein Profilfoto hochladen. Falls das System Zweifel hat, dass es sich tatsächlich um ein Gesicht (und nicht um eine Blumenvase) handelt, wird nochmals nachgefragt. Weiterhin muss jeder Gast bei einer Anfrage nochmals etwas von sich schreiben.
  6. Airbnb hört (teilweise) auf uns
    Viele von uns nutzten die Chance, sich an die vielen Mitarbeiter zu wenden, die speziell losgeschickt wurden, um unsere Ideen, Nöte und Sorgen zu notieren, zu sammeln und zu strukturieren und an die Entscheidungsträger weiter zu geben. Joe Gebbia hatte sogar dazu aufgefordert, ihm persönlich eMails mit Vorschlägen zu schicken.
  7. Gäste-Kettenbrief
    Eine nette Idee: Der Vorgänger Gast hinterlässt für seinen Nachfolger einen Umschlag mit irgendeiner kleinen netten Sache, z.B. ein Grußkärtchen, ein Gutschein, ein Tipp, ein Geschenk. Irgendwas persönliches, das die Verbindung der Gäste untereinander herstellt. Mir ging es schon selber so: „Wer war wohl vor mir hier? Wer checkt nach mir ein?“ So kann ich meinem Nachfolger eine kleine Freude bereiten. Man muss nur einmal als Gastgeber die Initiative ergreifen, und kann sich dann auf die Moderation beschränken.
  8. Vermarktung unserer Zusatzleistungen
    Jeder kennt das: Wir sind Reiseführer, Auskunftsdienst, Organisierer, Chauffeur, geben Kochkurse. Eine Gastgeberin berichtete, dass sie das jetzt offiziell (und angemeldet) macht, und auf diese Weise ihre Zusatzleistungen für Beträge zwischen 20 und 300 € vermarktet. Bereits im Inserat weist sie dezent darauf hin, lässt aber den Gästen die vollkommene Freiheit zwischen Selbstorganisation und bezahlten Optionen. Und die Gäste sind begeistert!
  9. Open Homes for Global Good
    Vermieten, und etwas Gutes tun. Hier wurden verschiedene Beispiele gezeigt, wie Gastgeber (speziell in den USA, wo das Sozialwesen nicht staatlich organisiert ist sondern auf freiwilligen Charities basiert) einen fixen Prozentsatz ihrer Einnahmen spenden, ehrenamtlich Tätige umsonst aufnehmen, oder Patienten des nahegelegenen Krankenhauses einen ortsnahen Aufenthalt für ambulante Behandlungen zu ermäßigten Sätzen ermöglichen. Siehe auch die Gruppe “People Helping People“https://www.airbnb.com/groups/2022
  10. Die perfekte Abweichung
    Wer 100 % sicher gehen will, das zu bekommen was er erwartet, muss ein Zimmer einer internationalen Hotelkette nehmen. Das kann Airbnb nie leisten. Dennoch müssen die Basis-Erwartungen erfüllt werden (z.B. Sauberkeit, Sicherheit) und die seitens des Gastes mitgebrachten und durch das Inserat erzeugten Erwartungen einen möglichst hohen Deckungsgrad aufweisen. Und die kleine Abweichung ist dann genau das, was die persönliche Reiseerfahrung ausmacht. Sonst kann ich gleich zu Hause bleiben. Kleine Hilfsmittel helfen, die Abweichung möglichst klein (und damit „perfekt“) zu halten, z.B. ganz klare Hausregeln, kleine Hinweisschilder am Ort eines potentiellen Missverständnisses, Info-Aufkleber z.B. an technischen Geräten, Heizungen, Klimaanlagen, von vornherein den kulturellen Hintergrund des Gast-Ursprungslandes berücksichtigen und ggf. eine kleine Einführung in den bei uns üblichen Gebrauch von Bad und Toilette geben, klarstellen welche Bereiche privat und welche geteilt sind.
    Das „Expectation Management“ stellt Airbnbs zweite große Herausforderung dar. Wir kennen das als Gast: Man wählt etwas entsprechend seinen Erwartungen aus, schafft sich ein inneres Bild, hat aber nur eine Ahnung, wie es tatsächlich sein wird, wie es riecht wenn man die Wohnung betritt, wie das Licht ist, wie sich die Stimme des Gastgebers anhört, und ob einem der Gesamteindruck dann sympathisch oder eher ernüchternd ist.
    Beim „Mobile Ear Team“ haben wir unseren Input abgegeben, man möge doch den Gastgebern Hilfestellungen bei Gästen aus bestimmten Kulturkreisen geben, und man möge doch die detaillierten Bewertungen über den Gast sichtbar machen.
  11. Smart Pricing
    Ab sofort werden die bereits existierenden Preisvorschläge (erstmal für die Teilnehmer der AO2015) durch „intelligente“ Preise ersetzt. Das System setzt die Preise für die einzelnen Nächte selbständig. Man kann aber absolute Unter- und Obergrenzen setzen. Die Erfahrung zeigt, dass man durch Preisanpassungen u.U. trotz weniger Übernachtungen höhere Umsätze erzielen kann. Messezeiten berücksichtigt das System aber nach wie vor nicht.
  12. Gastgebergarantie und Haftpflichtversicherung
    Die Gastgebergarantie www.airbnb.com/guarantee wurde ab sofort auf 1 Mio. USD erhöht uns gilt jetzt weltweit. Zusätzlich gibt es für 16 Länder (darunter Deutschland) eine Haftpflichtversicherung www.airbnb.com/host-protection-insurance für Gastgeber, falls der Gast einen Schaden erleidet. In Österreich gibt es das noch nicht, ist aber in Planung.
  13. Die Reiseindustrie
    ist volumenmäßig den zweitgrößten Industriezweig dar. Der Anteil der chinesischen Gäste ist auf 9,6 % angewachsen. Sehr viele verreisen mittlerweile individuell und nicht mehr in Gruppen. Am Wachstum des Reisemarkts bis 2020 werden die Chinesen zur Hälfte beteiligt sein.
  14. Bekanntheitsgrad der Marke „Airbnb“
    Das Ziel für 2015 lautete, den Bekanntheitsgrad um 10 %-Punkte zu steigern. Für USA wurde das Ziel verfehlt (18 - 25 %). In Deutschland stieg die Marken-Bekanntheit hingegen von 16 auf 27 %, in Frankreich von 22 auf 42 %. Für ein Unternehmen, das erst 8 Jahre alt ist, stellt das eine sehr ordentliche Leistung dar! Das Ziel lautet, für uns alle mehr Gäste zu generieren. Ein Beispiel für so eine Werbekampagne war die „Halloween-Nacht in den Katakomben von Paris“. Darauf hat uns sogar unsere Nachbarin angesprochen (und wir mussten erklären, dass die Katakomben in Paris von jeher für skurrile Events herhalten mussten, und das nicht Airbnbs Idee war).
  15. Nachhaltigkeit
    In einem Workshop wurde diskutiert, ob und wie man sich als Gastgeber das Thema Nachhaltigkeit zu eigen machen soll. Als eine Möglichkeit kam heraus, dass sich der Gastgeber selber eine Checkliste macht, auf welchen Gebieten er nachhaltig agiert, und diese Checkliste dann auch in sein Inserat mit aufnimmt. Alternativ könnte auch Airbnb eine solche Checkliste vorgeben, wo der Gastgeber dann die von ihm erfüllten Kriterien ankreuzt (analog z.B. dem Vorhandensein von Rauchmeldern und Erste Hilfe-Sets). Der weitergehende Schritt wäre dann, die Erfüllung auch vom Gast bewerten zu lassen. Beispiele: Ökostrom, Abfall-Recycling, Begrenzung des Energieverbrauchs von Klimaanlagen und Heizungen durch intelligente Lösungen [z.B. Fenstersensoren] oder Handlungsanweisungen, Handtuchwechsel-Rhythmus, Waschmittel etc.
  16. Support
    Die Verbesserung des Supports ist Airbnbs dritte große Herausforderung. Ab sofort haben profitieren die Superhosts im Rahmen des Premium-Supports von direkten Telefonnummern, wo sie ihre Anliegen vorbringen können.
  17. Mentoren
    Im Rahmen des neuen Mentor-Programms www.airbnb.com/help/article/1149/host-mentor-program können Gastgeber ihre Erfahrungen an neue Kollegen weitergeben. Für 10 abgeschlossene Beratungen wird seitens Airbnb ein Reisegutschein in Höhe von 250 USD ausgestellt.
  18. Geschäftsreisende
    Auf www.airbnb.com/business-travel-ready kann man sich fit machen und anmelden für Geschäftsreisende.
  19. Gratwanderung
    Airbnb begibt sich auf eine Gratwanderung zwischen der Idee des „privaten Reisens“ bzw. der „Sharing-Economy“ einerseits, und einem rein-kommerziellen gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen ohne hehre Ziele andererseits. Wir sind gespannt, wohin die „Airbnb-Reise“ führt!

 

Airbnb Open in Paris   Airbnb Open in Paris 2  Airbnb Open in Paris 3  Airbnb Open in Paris 4

Conclusio:

Die Veranstaltung selber war gut organisiert und typisch amerikanisch aufgemacht. Es waren ein paar hilfreiche Workshops dabei, der Großteil der Workshops sowie die Vorträge im großen Auditorium waren allerdings eine reine Marketing Botschaft und dienten der Selbstbeweihräucherung. Wenn man Flug, Hotel und Tickets für immerhin EUR 200 pro Person rechnet, dann würde ich das Geld lieber anders investieren. Paris war ja noch leistbar, aber nächstes Jahr fliege ich sicher nicht nach LA.

Airbnb hat auch erkannt, dass die Hosts vielerorts Einzelkämpfer sind. Sie waren daher beim Open sehr bemüht das Gefühl einer großen Familie aufkommen zu lassen. Sicher, man hat nette Gespräche geführt und sich ausgetauscht, aber es war ein künstliches Setting und nach 3 Tagen geht man wieder und kämpft sich alleine mit seinen Gästen ab.

Das witzige ist auch, dass Airbnb als Unternehmen alles versucht um einen persönlichen Kontakt mit einem Gast oder Host zu vermeiden und sich nach aussen hin als „the big family“ präsentiert.

Ich denke, dass echte Seilschaften nur durch persönliches Kennenlernen, gemeinsames Diskutieren und neidlosem Erfahrungsautausch bei einem Achterl oder einer Melange zustandekommen. Deshalb freut es mich sehr, dass Stephanie und Christian Rank mich zur Mitarbeit eingeladen haben und dass ich bald viele von euch persönlich kennenlernen darf.

Liebe Grüße,

Andreas Novotny

Joe Gebbia und die Novotnys

Joe Gebbia - einer der Gründer von Airbnb und die Novotnys

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